14.10.2007 Dortmund

Richterin: Hedwig Mense

Ich muss verrückt gewesen sein, als ich Mitch für die Nationalzuchtschau in Dortmund gemeldet habe. Der kleine Mann sollte seine erste Ausstellung ausgerechnet in der Westfalenhalle, die im Zusammenhang mit der Messe immer brechend voll ist, bewältigen. Tags zuvor war auch noch die Bundessiegerzuchtschau, so dass ich mit vollen Ringen im Ausstellungsbereich rechnete.

Früh morgens machten wir uns in Richtung Dortmund auf. Schon das Warten in der Schlange vor dem Hundeeinlass war für mich Stress und für Mitch das reinste Vergnügen. Hatte er doch hier die Möglichkeit, jeden Hund und Menschen zu begrüßen und sich mit ihnen bekannt zu machen.

Obwohl wir schon weit vor Beginn des Richtens am Ring waren, waren schon fast alle Plätze vollständig belegt :-( . Ich entdeckte für uns noch eine Lücke und baute die mitgebrachte Box für Mitch auf. Nachdem alles ausgepackt war, wollte ich einen Probelauf mit Mitch im Ring wagen.

Mit Fleischwurst (gibt`s bei uns ganz selten :yes: ) bewaffnet, suchten wir den Ring auf. Mitch zeigte auch reges Interesse an der Fleischwurst und stellte sich ruhig hin :-) . Nachdem immer mehr Aussteller mit ihren Hunden den Ring bevölkerten und ihre Runden liefen, meinte Mitch beim Laufen im Ring, dass das wohl ein neues Spiel sei :fragezeichen: .

Seine Freude über so viele neue Spielkameraden musste ich dann aber doch erheblich dämpfen. Wofür Fleischwurst nicht alles gut ist ;-) .

Es verging dann noch einige Zeit bis die Jüngsten- und Jugendklasse gerichtet war. Währenddessen schaute ich schon mal in den Katalog, um zu wissen, auf welche Hunde wir im Ring treffen würden.

Bei den aufgeführten Namen, die ich mit Showlinien verbinde und die den Ausstellungsring sicherlich sehr regelmässig sehen, befürchtete ich schon, dass die Richterin mich fragen würde, ob ich in der richtigen Klasse ausstelle. Mal abgesehen davon, dass ich schon froh wäre, wenn Mitch bei dieser Konkurrenz mit einem “SG” aus dem Ring kommen würde.

Beim Betreten des Ringes sah ich dann schon die Bescherung. Mitch war eine halbe Portion gegen die vielfelligen stämmigen Rüden. Tja, eigentlich hatte ich gedacht, dass wir in der Zwischenklasse ausstellen. Meine Vorstellung von Rüden in der Zwischenklasse sehen anders aus. Bisher war ich davon ausgegangen, dass dort Hunde zwischen Jugend- und Erwachsenenalter ausgestellt werden und dementsprechend aussehen :fragezeichen: .

Oder erwarten wir bei einem menschlichen männlichen Wesen mit ca. 18 Jahren, dass er aussieht wie ein gestandener Mann?

Hier scheint mir die Entwicklung der Border Collie-Zucht (zumindest in Deutschland) in die absolut falsche Richtung zu gehen :-( . Insbesondere, wenn man den Rassestandarf zu grunde legt, in dem es u.a. heißt, dass beim allgemeinen Erscheinungsbild des Hundes jegliche Tendenz zur Plumpheit unerwünscht ist und der Körper von athletischem Aussehen sein soll.

Vermutlich habe ich ein anderes Verständnis von athletischem Körperbau und Tendenz zur Plumpheit. Na ja, mit viel gutem Willen kann man unserem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl auch einen athletischen Körperbau bescheinigen ;-) .

Hier nun der Auszug aus dem Richterbericht (Richterin Hedwig Mense), über den ich dann nicht nur angesichts der Kürze sehr erstaunt war.

Auszug aus dem Richterbericht

“Schwarz-weißer Rüde, 20 Monate alt, der sehr hochbeinig wirkt, schöner Kopf mit seitlich angesetzten Kippohren. Die Hinterhand ist sehr weich und im Stand kuhhessig, kurze Rute, gutes Wesen”

Wir erhielten die Formwertnote “Sehr Gut”.

Es wurde überhaupt nichts zu Winkelungen, Hals-Rückenlinie, zur Front oder Brusttiefe gesagt. Nun bin ich in dieser Hinsicht immer noch nicht schlauer :-( . Eigentlich geht man doch zu einer Ausstellung, um gerade in dieser Hinsicht etwas über seinen Hund zu erfahren. Oder wird diese Ehre nur mit “V” und Platzierung bewerteten Hunden zu Teil :scratch: ???

Das mit dem hochbeinig kann ich auch nicht so recht nachvollziehen. Mitch hat für einen Rüden seines Alters einen wohlproportionierten Körper. Gut, angesichts der heutzutage im Ausstellungsring stehenden tiefergelegten Bonsai-Border sieht er vermutlich hochbeinig aus.

Bezüglich der weichen Hinterhand habe ich auch andere Züchter nach der Bedeutung gefragt. Allerdings konnte mir keiner erklären, was damit gemeint ist und so bleibt dieser Punkt eben ein ewiges Geheimnis :fragezeichen: .

Die kurze Rute kann ich auch nicht nachvollziehen. Der letzte Wirbel reicht standardgemäß bis ans Sprunggelenk. Außerdem hat Mitch dort reichlich Befederung, die im Stehen schon bis auf den Boden reicht. Wäre die Rute noch länger, würde er sich schon auf`s Fell treten :-( .

Tja, die Geheimnisse der Bewertungen auf Ausstellungen werden uns sowieso verschlossen bleiben :fragezeichen: . Insbesondere nachdem ich mir dann noch die eine oder andere Klasse im Ring angeschaut habe.

Genau vor meinen Augen schnappte in der “Offenen Klasse”-Rüden ein Hund nach der Richterin, als diese sich das Gebiss anschauen wollte. Nun sollte man meinen, dass dieser Hund disqualifiziert würde, aber nein, das Schnappen wurde noch mit einem “V” belohnt :sauer: .

Der Rassestandard sagt hierzu:

Verhalten und Charakter: Aufgeweckt, aufmerksam, führig und intelligent, weder nervös noch aggressiv.

Nun kann sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen :whistle: .

Ich für meinen Teil bin mit der Formwertnote “Sehr Gut” zufrieden, da es mir zeigt, dass Mitch wenigstens wie ein “normaler” Border Collie aussieht :good: .

Was mich allerdings ärgert, ist der Umstand, dass ich für viel Geld einen wenig aussagekräftigen Richterbericht erhalten habe :-( .